Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verbissenheit / Ums Prinzip
Suchender
06.07.2004, 08:03
Hallo,
ich wollte Euch einmal Fragen ob Ihr auch oft einschreitet oder Euch
einschaltet wenn es um eine Prinzipielle Sache geht ?
Wenn Ihr seht es geht etwas nicht Rechtens zu, schreitet Ihr dann ein ?
Obwohl Ihr es evtl. nur am Rande mitbekommt ?
Ich für meinen Teil kann soetwas nicht übersehen und bin bei meinen
Mitmenschen schon als "Prinzipienreiter" verschrieen was mir sehr oft
schwer zusätzt.
Mit Prinzip meine ich "rechtens" und würdig einem anderen Lebewesen
gegenüber.
Kennt Ihr dieses Gefühl als neutraler "Schlichter" (blödes Wort, mir fällt aber
kein anderes ein) eingreifen zu müssen ?
Gruß
Suchender
Hallo Suchender,
Das ist meiner Meinung nach eine heikle Sache. Was ist gerecht? Was ist überhaupt das Prinzip? Das klingt für mich ein bisschen urteilend.
Wer entscheidet, was prinzipiell gilt?
Meiner Meinung nach ist sogar das Gesetz relativ. Das sind alle Menschen, die die Gesetze gemacht haben, und das, was einem Menschen am meisten charakterisiert ist das subjektiv sein. Jeden empfindet seine Wahrheit als die absolute Wahrheit.
ich glaube, dass es hier einfach um den konkreten Fall geht.
Wenn das "Prinzipiell" so tust, kann es passieren, dass die Anderen dich als rechthaberisch einstufen.Es kann sein, dass sie dein Prinzip als ungerecht, oder sogar angreifend empfinden.
In einem konkreten Fall finde ich gut, das man eine Meinung zeigt.
Es ist auch wichtig, habe ich gelernt, dich der Sache zu stellen, dem Konflikt, aber nach meine Erfahrung ist auch das gestuft. Manchmal ist auch ganz wichtig die Flucht zu ergreifen. Lebenswichtig.
Das ist, scheint mir, wie alles im Leben, an der Situation anzupassen.
Die Geschichte mit dem neutralen Schlichter, das Wort finde ich sehr schön und passend, habe auch schon erlebt. Meistens hat es mir im Nachhinein leid getan, dass ich mich eingemischt habe. Das war meine persönliche Erfahrung.
Es sei denn, man soll jemanden, der in Schwierigkeiten ist helfen. Und sogar da habe ich unangenehme Situationen erlebt.
Es ist einfach schwer eine algemeine Antwort zu geben.
Am besten verlässt du dich auf deinem Gefühl und du machst sicher das Richtige.
ich hoffe, dass meine Worte dir irgendwie überheblich vorkommen, oder sogar besserwisserisch. Das wollte ich nicht. Es ist einfach meine Erfahrung.
Alles Liebe
Ra
Ja, also das ist bei mir recht ähnlich. Ich weiß nicht, ob ich ein "Prinzipienreiter" bin, aber ich hatte schon mal ein Posting gemacht, wo ich schon erwähnte, dass ich mich aufrege, wenn etwas zu unrecht geschieht. Heißt eine Verleumdung oder ähnliches, wenn es Fakt ist, dass etwas behauptet wird, was nicht stimmt, so hole ich alle Waffen zusammen. Schlimmer noch, ich trage bis in die Unendlichkeit nach und setzte alles daran dies gerade zu biegen und wenn das nicht geht, höre ich trotzdem nicht auf mir entwas einfallen zu lassen. Übel...
Aber Prinzipien:
Nun, es kommt darauf an. Wenn die Ampel Rot ist und weit und breit kein Auto zu sehen, gehe ich als Fußgänger drüber. Ich denke, es kommt auf die Situation und den Sachverhalt an.
In eine Schlägerrei, die mich nichts anging, habe ich auch eingegriffen, weil der Typ den anderen Typ schon am Boden hatte und immer weiter auf ihn einschlug. Da kann man doch nicht zusehen?! Ich bin zwar nicht gerade ein kräftiger Typ, aber mach schon ein paar Jährchen Karate, so dass ich da weniger Angst um mich selber habe.
Wie gesagt, ich denke, es kommt ganz darauf an, um was es geht. "Prinzipiell" ;) schreite ich schon ein. Aber ist da jetzt ein Unfall, wo schon 5 Leute stehen, gehe ich zum Beipsiel nicht unbedingt auch noch hin.
Ich denke, man muß auch unterscheiden können, wann man fünf gerade sein läßt und vielleicht auch mal eine Regel brechen, wenn dadurch kein anderer Schaden nimmt. Das ist natürlich ein kluger Spruch von mir, denn ein großer Fehler meinerseits ist, dass ich auch dann Regeln breche um zu meinem Recht zu kommen. Heißt schon das richtige erreichen, aber nicht mit legalen Methoden...stellt sich natürlich die Frage mit welchen "legalen" Methoden die Gegenpartei handelte --> in dem sie schlicht Gesetzeslücken ausnutzt und vertrauen Mißbraucht.
Man müßte als unterscheiden, was legal und illegal auf der Seite der Menschen geschaffenen Regeln ist und das gleiche auf der Seite der Ethik (die in unserem Gesetzbuch doch arg vernachlässigt ist). Bei mir wäre die Ethik okay, aber das Gesetzt nicht. Tja, was wiegt mir? Das ist schlecht zu sagen, ich denke, beides hält sich die Wage und so handle ich mit gutem Gewissen in dem Wissen eigentlich etwas unrechtes zu tun...schwierig... :?
Suchender
06.07.2004, 13:32
Natürlich habt Ihr Recht, ich hätte ein konkretes Beispiel nennen sollen.
Es geht mir dabei nicht darum ob das geltende Gesetz übertreten wird
oder nicht, sondern vielmehr darum ob ein in diesem Moment schwächerer
mehr gepeinigt oder gedemütigt/drangsaliert wird als es nötig ist.
Tobi`s Beispiel mit der Schlägerei ist ein sehr gutes Beispiel.
Oder wenn etwas schlechtes über jemanden gesprochen wird der nicht
anwesend ist und sich nicht verteidigen kann usw.
Aber Ihr habt absolut Recht, es kann jeweils positiv oder negativ ausgehen
für einen selbst. Aber mein empfinden und mein inneres ich lassen mir
in solch einer Situation keine andere Wahl und damit muss ich wohl leben,
allerdings könnte es auch sein dass dies zu erlernen eine weitere Aufgabe
auf meinem Weg ist ?
Gruß
Suchender
Hmm... Hätte vielleicht doch antworten sollen, ohne vorher die anderen Antworten zu lesen! :) Aber nun ja so sei es!
Ich kenne dieses Gefühl und bin mit diesem Schlichter, wie du ihn nennst schon sehr schön auf die Schnauze gefallen und wurde auch teilweise schon ausgenutzt. Ist zum Glück scon lamge her!
Ich denke du meinst die Gutmütigkeit! Ich kann RA und Tobi nur Recht geben... Es ist eine situationsbedingte Sache! Ich handle da sehr schnell nach meinem Gefühl und manchmal liegt man auch falsch. Lieber ab und zu eine falsche Entscheidung, als gar keine oder tagelanges zermürben oder Kopf zerbrechen. "...Wenn du jemanden nicht helfen konntest oder du jemanden Unrecht getan hast, wirst du ihm wieder begegnen und dann hast du die Chance es wieder gut zu machen!.." sagt das Buch, oder!
Meine Erfahrung zeigt mir jedenfalls, nicht immer und überall einzugreifen. EIne Person oder die Situation muss dessen auch würdig sein. Ich denke man sollte stets den Willen und die Bereitschaft zum Einmischen haben aber nach Würdigkeit und Notwendigkeit entscheiden.
Stell dir mal vor, du könntest jedem helfen... Dann müsstes sehr viele auf sehr wichtige Erfahrungen verzichten. Kein Schwarz ohne Weiß. Keine Liebe ohne Hass. (Siehe mein Topic bei "Sylphe-Wut im Bauch!")
Ich würde entscheiden ob die Situation meine Hilfe braucht oder ob es besser ist das dort die Erfahrungen fließen.
Wenn es bei mir zum Beispiel um eine Diskussion geht oder ich auch die "Lösung" für einen wörtlichen Konflikt parat habe, so predige ich nicht rum oder halte Gardinenpredigten als Moralappostel schlechthin, sondern stelle Fragen, so dass sich jeder die Antwort selbst geben kann und selbst auf die "Lösung" kommt. Damit bin ich ambesten gefahren bis jetzt!
Kämpft weiter und sucht noch mehr von unserem Volk!!!
Schönes Gefühl an eurer Seite kämpfen zu dürfen!
Renegard
Suchender
06.07.2004, 14:00
Ja, diese Art dem anderen die Lösung vor Augen zu führen ohne sie ihm
direkt zu sagen praktiziere ich auch. Den ich denke der Mensch lernt am
besten wenn er es erlebt oder aber von selbst auf die Lösung kommt ;)
Wie ich sehe ist auch dieses Verhalten bei uns ein "normales" und dies
beruhigt mich sehr. Allerdings werde ich noch daran arbeiten müssen
auch in den täglichen Kleinigkeiten zu unterscheiden was mein Kampf ist
und welcher Kampf eben nicht meiner ist.
Interessant finde ich die Anregung immer daran zu denken dass dort
Erfahrungen fliesen und ob ein Einschreiten und in welcher Form
angemessen ist.
Danke und Gruß
Suchender
Grüßt euch,
hmm.ich finde das ist wirklich ein heikles Thema..und auch zur Zeit ein bisschen meins ;)
Ich finde es ist generell wichtig, seine Meinung zu äußern und sich z.b. für Gerechtigkeit einzusetzen...aber ich muss sagen, es gibt auch Situationen wo hierfür viel Diplomatie gefragt ist
und, das ist eine Kunst.
Ich lerne gerade, meine Meinung offen zu sagen, aber eben so, dass sie ins richtige Ohr fällt, denn nur dann kann sie angenommen und auch wirklich gehört werden.
Zum Beispiel auf dem Arbeitsplatz, bei Kollegen, da macht es Sinn mit Diplomatie seine Meinung zu äußern, denn man sollte ja mit seinen Kollegen noch eine ganze Weile gut auskommen...allerdings bei einer Situation auf der Straße,ist es eine andere Sache, finde ich,
da kann man schon mal deutlicher seine Meinung,"seine Prinzipen" sagen.
Also zusammenfassend *g* finde ich, es ist wichtig seine Einstellung und somit Meinung, Prinzipien darzulegen und zu vertreten, wenn man sieht, dass unrecht geschieht..an gewissen Stellen verlangt dies jedoch eine große Portion Einfühlungsvermögen und Diplomatie von einem ab
und es kommt natürlich auch immer auf die Gewichtigkeit des " Vergehens" an.
viel Kraft und Mut zu euch,
~Sylphe~
hallo alle
ich finde es richtig dort einzuschreiten, wo unrecht geschieht und es in meiner macht liegt, dies zu verhindern. (für das bekamen wir unser schwert).
ich finde es hingegen nicht richtig, andere unbedingt von meiner/meinen meinungen überzeugen zu wollen. zumal sich meine meinung immer mal wieder ändert, und ich somit davon ausgehen muss, dass die immer nur bedingt (wenn überhaupt) "richtig" ist.
ich bin auch einig mit jesus und vielen anderen, dass man unrecht zwar bekämpfen, die urheber aber nicht verurteilen sollte. womit ich nicht sagen will, dass mir das jeweils auch gelingt :))) auch ich habe schon unrecht begangen, und es hat mir dann immer geholfen, wenn meine mitmenschen wohl die tat, aber nicht mich verurteilten. jeder macht mal fehler.
"richtet nicht, auf das ihr nicht gerichtet werdet"
liebe grüsse
roy_leo
Suchender
09.07.2004, 07:54
Hallo roy_leo,
ein sehr schöner und wahrscheinlich der wichtigste Satz überhaupt:
"die Tat verurteilen, aber nicht den Täter" den Du da geäussert hast.
Allerdings gelingt es wirklich kaum den Inhalt in die Tat umzusetzen.
Aber wir sind ja auf der Welt um an uns zu arbeiten.
Hallo Sylphe,
Du hast absolut Recht. Aber auch die Diplomatie und das Wort generell
können "Waffen" sein, wenn nicht sogar die Gefährlichsten.
Ein Kampf ist ein Kampf, egal mit welchen Mitteln er ausgefochten
wird. Aber ich finde das macht einen guten Kampf aus.
Gruß
Suchender