Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Desiderata
Steinwulk
21.07.2004, 10:22
Liebe Krieger des Lichts,
habe soeben aus gegebenem Anlaß in den folgenden Zeilen geschmökert. Ich finde sie immer wieder toll, und möchte sie Euch daher nicht vorenthalten.
Freude beim Lesen wünscht Euch ein Steinwulk
- DESIDERATA -
Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast
und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann.
Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich,
in freundlicher Beziehung zu allen Menschen.
Äußere die Wahrheit, ruhig und klar
und höre Anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden,
auch sie haben ihre Geschichte.
Meide laute und aggressive Menschen;
sie sind eine Qual für den Geist.
Wenn du dich mit anderen vergleichst,
könntest du bitter oder eitel werden,
denn immer wird es jemanden geben, größer oder geringer als du.
Erfreue dich deiner eigenen Leistungen, wie auch deiner Pläne.
Bleibe an deinem Fortkommen interessiert,
wie bescheiden auch immer.
Es ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten.
In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lass Vorsicht walten;
die Welt ist voller Betrug.
Aber dies soll dich nicht blind machen
gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit.
Viele Menschen ringen um hohe Ideale;
und überall ist das Leben voller Heldentum.
Sei du selbst,
vor allen Dingen, heuchle keine Zuneigung,
noch sei der Liebe gegenüber zynisch,
denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung
ist sie doch immerwährend wie das Gras.
Nimm freundlich-gelassen den Ratschlag der Jahre an;
gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf.
Stärke die Kraft des Geistes,
damit er dich bei plötzlich hereinbrechendem Unglück schütze.
Aber beunruhige dich nicht mit Einbildungen;
viele Ängste sind Folge von Erschöpfung und Einsamkeit.
Bei einem gesunden Maß an Selbstdisziplin sei gut zu dir selbst.
Du bist ein Kind des Universums,
nicht geringer als die Bäume und die Sterne;
du hast ein Recht, hier zu sein.
Und ob es dir nun bewusst ist oder nicht:
Zweifellos entwickelt sich das Universum wie vorgesehen.
Darum lebe in Frieden mit Gott,
was für eine Vorstellung du auch immer von ihm hast.
Und was immer dein Mühen und Sehnen ist.
In der lärmenden Wirrnis des Lebens
erhalte dir den Frieden deiner Seele.
Trotz all ihrem Schein, der Plackerei
und den zerbrochenen Träumen
ist diese Welt doch wunderschön.
Sei vorsichtig.
Strebe danach, glücklich zu sein.
Diese Fassung von Desiderata ist eine der Variationen über eine Inspiration von Max Ehrmann, 1927, die sich wiederum beruft auf die Überlieferung einer legendären anonymen Inschrift in der alten St. Paul's Church, Baltimore, 1692.-
gefunden im www
Lieber Steinwulk,
Danke für diese Zeilen,
ich habe sie mir jetzt schon zum zweiten mal durchgelesen und festgestellt, dass noch niemand etwas zu deinem Beitrag geschrieben hat,
da dachte ich mir, es geht den anderen vielleicht wie mir...im Grunde kann man nichts hinzufügen, man liest die Zeilen und erkennt sich, im Jetzt, oder auf bestimmten Stationen im Leben, oder auch Gedanken, in den einzelenen Sätzen wieder.
Ich denke jeder Mnesch strebt danach glücklich zu sein, nur ist den meisten nicht bewusst, was glücklichsein wirklich bedeutet und das führt auf Irrwege und zum Unglücklichsein.....
Ich wünsche dir alles Liebe und find es toll, dass du hier bist, man merkt, dass du auch ein Mensch bist der sehr viel nachdenkt und hinterfragt,
großartig !*zwinker*
dank dir, lieber Gruß,
~Sylphe~
Suchender
28.07.2004, 20:30
Hallo,
ehrlich gesagt ging es mir wie Sylphe.
Ich kann Ihr nur zustimmen und empfinde tiefe Zufriedenheit
wenn ich solche Zeilen lese, denn es zeigt mir dass es doch noch
Menschen gibt (und immer gab) welche Nachdenken und nicht nur
einfach vor sich hin vegetieren.
Meinen herzlichsten Dank Steinwulk, solche Zeilen können Trost
aber auch Stärke verleihen.
Gruß
Suchender
Steinwulk
28.07.2004, 21:54
Hallo Sylphe und Suchender,
mmh, das geht runter wie Öl! Ehrlich, vielen Dank.
In diesem Fall hab ich aber nur die Kopierfunktion meines Rechners benutzt - mehr nicht.
Aber davon abgesehen, freut es mich ebenso, wenn anderen diese Zeilen genauso viel bedeuten wie mir. Es gibt mir Mut und macht mich dankbar für dieses Forum und den darin enthaltenen Anregungen.
Bis bald,
ein glücklicher Steinwulk
soul mate
29.07.2004, 02:30
Seid mir gegrüßt, Kampf- und Weggefährten,
das Forum hat ein neues Mitglied. Ich weiß, dass das hier eigentlich nicht der entsprechende Thread für eine Neuvorstellung ist, aber als ich über das Thema "Desiderata" stolperte, sah ich mich veranlasst, ein paar nähere Ausführungen zu Steinwulks Anmerkungen zu machen.
Nebenbei bemerkt: die "Desiderata" habe ich für mich ein wenig grafisch aufbereitet, gerahmt und an die Wand gehängt - auf englisch und daneben die deutsche Übersetzung in einem Rahmen. Bei Interesse kann ich an Interessierte eine pdf-Datei der Texte per Email verschicken.
Aber zurück zu Dir Steinwulk.
Um die Geschichte der Desiderata ranken sich die verschiedensten Geschichten. Ich hatte mir mal die Abeit gemacht und ein wenig recherchiert.
Also, zuerst einmal existieren von dem Ursprungstext die verschiedensten Abwandlungen und Übersetzungen aus dem Englischen. Meistens ist als Herkunftsangabe zu lesen: „Gefunden in der Alten St. Pauls Kirche, Baltimore, 1692“.
Der Text stammt jedoch nicht aus dem siebzehnten sondern aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Wie genau sich der Irrtum zugetragen hat, lässt sich heute nicht mehr abschließend klären, man nimmt aber an, dass es sich folgendermaßen zugetragen hat:
Pfarrer Frederick Ward Kates war von 1956 bis 1961 Pfarrer in der Gemeinde der „Old St. Paul’s Church“ in Baltimore. Früher war er bei einer Zeitung tätig und liebte den Umgang mit Texten immer noch. Besonders gern sammelte er inspirierende Essays, Gedichte und Zitate. Von Zeit zu Zeit, besonders zur Fastenzeit, stellte er die gesammelten Texte in kleinen Broschüren zusammen, die er vervielfältigen und binden ließ. Diese Anthologien legte er für die Besucher der Gemeinde zur kostenlosen Mitnahme auf den Kirchenbänken aus. Wahrscheinlich im Jahre 1956 war darin auch der Text namens „Desiderata“ enthalten. Einem Besucher der Gemeinde muss dieser Text so gut gefallen haben, dass er ihn später reproduzieren ließ. Die Besonderheit liegt nun im Detail: „Desiderata“ war offensichtlich auf die Titelseite der Broschüre gedruckt worden, denn auf dieser wurde auch immer der Name der Gemeinde und ihr Gründungsdatum angegeben, eben das bekannte „Old St. Paul’s Church, Baltimore, 1692“.
Beim Anfertigen der Kopien wurde dies nun wohl fälschlicherweise als Autorenangabe missverstanden und dieser Fehler hat sich bis heute in der ganzen Welt verbreitet. Auch der Name „Desiderata“ stammt nicht vom ursprünglichen Autor.
Aber mit dem Verfasser, Max Ehrmann, hast Du völlig recht. Er wurde 1872 geboren, trat 1894 in die „Harvard’s School of Philosophy“ ein und studierte dort Philosophie und Recht. Er schrieb sechs Bücher innerhalb von zehn Jahren, bevor ihm klar wurde, dass er davon nicht leben konnte und schlug daraufhin eine Laufbahn als Rechtsanwalt ein. Er brachte es bis zum stellvertretenden Generalstaatsanwalt, bevor er 1945 starb. „Desiderata“ wurde erst drei Jahre nach seinem Tod veröffentlicht und zwar in einer Anthologie seiner Gedichte, die von seiner Witwe herausgegeben wurde und noch heute bei der „Bruce Humphries Publishing Company“ in Boston für $4,50 erhältlich ist.
Auch die Geschichte des Copyrights an „Desiderata“ ist fast einen eigenen Film wert: Nach dem Tod Max Ehrmanns ging das Copyright (Nr. 962402) zunächst auf seine Witwe über, die es 1954 noch einmal erneuern ließ, bevor es nach ihrem Tod im Jahr 1962 auf ihren Neffen, Richmond Wright, überging. Dieser verkaufte die Veröffentlichungsrechte (nicht das Copyright) an den „Bruce Humphries“ (an anderer Stelle auch „Crescendo“) Verlag, dessen Leiter damals Robert L. Bell war.
Der Verlag litt unter starker Geldnot und schuldete Mr. Bell $16.000,- an Gehalt, was diesen in eine missliche Lage brachte, da er eine Frau und vier Söhne versorgen musste, von denen einer studierte. Er willigte ein, die Veröffentlichungsrechte an „Desiderata“ gegen seine Schuldscheine einzutauschen. Danach kratzte er alles Geld zusammen, das er bekommen konnte und kaufte Richmond Wright auch das Copyright an „Desiderata“ ab.
Ich hoffe, ich wirke jetzt nicht zu oberlehrerhaft. Ich wollte lediglich verhindern, dass Halbwahrheiten kursieren und somit das Licht der Wahrheit nicht durch Schatten getrübt wird.
soul mate
Steinwulk
29.07.2004, 13:14
Hallo Soul mate!
Das war zwar ausführlich, aber nicht oberlehrerhaft. Ich würd´sagen, in Sachen Desiderata macht uns so leicht keiner mehr was vor.
Danke!
Sei willkommen, soul mate.
Steinwulk.
Suchender
30.07.2004, 13:29
Hallo Soul mate,
die Wahrheit tut oft weh - aber dies darf uns nicht daran hindern sie
zu suchen !
Allerdings ist es für mich ganz egal wann ein schöner Text entstanden
ist oder wann nicht, denn es ändert nichts an der Botschaft des
Textes und was es in mir bewirkt.
Also vielen lieben dank für die Aufklärung und ich hätte sehr starkes
interesse an der von Dir angebotenen PDF Datei.
Meine E-Mail Addy:
suchender@schmitt-privat.org
Gruß
Suchender
soul mate
30.07.2004, 15:36
Einen Gruß an Dich, Suchender,
es stimmt - schöne Worte, Lebensweisheiten, Aphorismen oder wie immer man sie nennen will sind zeitlos schön; egal wann sie entstanden sind. Das ist nicht wirklich wichtig.
Aber Deinem Wunsch entspreche ich gern. Und wenn nichts schief gegangen ist, dann solltest Du die Datei jetzt bereits erhalten haben.
Carpe diem!
soul mate
Suchender
30.07.2004, 19:55
Grüße an Dich "soul mate",
ich dachte mir dass wir diesbezüglich eine gleiche Meinung haben.
Danke für die schnelle Erledigung und für den Hinweis: "Carpe diem"
den ich leider schon fast zu lange nicht mehr hörte. Aber er kommt
sehr gelegen ;)
"Der Gedanke ist das erste - er ist der göttliche Funke !"
Nicht wahr ?
Gruße
Suchender
Hallo Herr Wulk,
durch diese neue Kategorie, was ein wenig der Übersicht dienen soll und letztlich auch, dass alte Sachen, wie deine hier nicht untergehen...habe ich dein Posting gefunden. Witzigerweise wird genau dieses vor jeder Meditation gespielt. Eine Quelle besagt, dass es sich dabei um einen irschen Segen aus dem Jahr 1692 handelt - wußte aber nicht, dass es diese Inschrift ist...na ja, wikipedia hätte auch geholfen. ;)
Witzig, wir war nicht mehr bewußt, dass es genau diesen Text schon im Forum gab - wenn sich hier mal kein Kreis schließt. :)
:hi:
Welch seltsamer Zufall,
in letzter Zeit mußte ich öfter an diesen Text denken. Ich kenne ihn aber nur in einem Song verpackt der wohl aus den 60 70 Jahren stammen muß und irgendwo auf einer uralten Cassette verschollen ist. Schön daß ich ihn hier wiedergefunden habe, danke.
Sonja
Witzig. Erst vor wenigen Tagen habe ich diese Zeilen als Zitat aus einer Inschrift der alten St. Paul's Church in einem Buch als Vorwort gelesen und fand sie unheimlich wohltuend und so überraschend zeitgemäß. Mein Freund wollte gar nicht glauben, dass der Text schon so alt ist.