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Vollständige Version anzeigen : Ängste



Sylphe
17.08.2004, 18:29
Grüßt euch!

Ich habe mir eure Zeilen durchgelesen unter anderem auch das der geistigen Übungen, habe mich aber entschlossen en neues thread aufzumachen,
obwohl ich auch an eure anschließen könnte,
aber es ist ja immer so, dass alles mit allem verbunden ist.
nun gut.
Mein Thema: Ängste

Vielleicht können mich die Kriegerinnen da etwas mehr verstehen, weil ich denke, dass es doch eher ein Problem der Frauen ist.

Ich habe gemerkt, dass wenn ich meine Ängste zu lasse, dass ich dann besser mit ihnen umgehen kann und sie leichter für mich sind und mich nicht mehr so sehr blockieren,
trotzdem schaffe ich es nicht sie los zu werden.


Ich weiß, frei von Angst ist niemand, und vor allem ist sie ja auch eine ganz natürlich, angeborene Schutzfunktion.
Allerdings weiß ich manchmal gar nicht so recht ob sie jetzt angebracht oder nicht angebracht ist.
Ich merke nur, dass sie mich einfach hindert und blockiert.

Habt ihr Erfahrungen damit, wie geht ihr mit Ängsten um, habt ihr überhaupt Ängste und welche?


Vielleicht für viele von euch ein ungewöhnliches Thema.

Ich habe Versagensängste, ich weiß in etwa woher sie kommen und arbeite auch daran,
aber ich dachte mir, vielleicht könnt ihr mir ein wenig auf meinem Weg meiner Ängste weiterhelfen,

alles Liebe zu euch
~Sylphe~

17.08.2004, 20:55
HI Sylphe,
Das ist wirklich interesant! Ich glaube aber nicht das dies ein haupsächliches Frauenproblem ist!
Männern ist es einfach nicht erlaubt Angst zu haben ,da es ihnen von kindheit an so vorgelebt wird! Angst unter Männern ist einfach tabu! Und vielleicht ist es für Männer die tatsächlich Angst haben schwierig dies zuzugeben!
Angst gehört zum leben dazu! Sie muss manchmal auftauchen um dann von dir besiegt zu werden! Aber sie schützt dich auch vor gewissen Dingen! Ich habe schreckliche Angst vorm Freien Fall !!! (Fallschirm,Bungee) Wer weis, villeicht hat mir die Angst davor schon mehrmals das Leben verlängert!!! ;)

RA
17.08.2004, 22:57
Hallo Ihr Lieben,

Libe Sylphe, das Thema finde ich super.
Mir geht es auch oft so.
Manchmal habe ich Angst und weiß nicht einmal wirlich wovor. Ich glaube, es ist einfach Angst vor dem Leben, vor den unbekannten Situationen, vor Versagen.

Auch das, was du sagst Santiago(übrigens - herzlich willkommen) glaube ich auch. Ich finde, dass die Männer in unsere Gesellschaft sehr schwer haben.
Sie sind so erzogen immer tapfer zu sein, großartig, sie dürfen nicht weinen, etc. Es ist, finde ich so unfäir.
Dann kommt noch dazu, dass die Männer zwischeneinander ein komplett anderes Verhalten, wie die Frauen haben. Ich habe beobachten, dass viele Männer kaum intime Freunde haben, mit denen über wirklich intimen Probleme sprechen. Wir Frauen sind, in diesem Sinne, priviliegiert.Wir dürfen schwach sein, wir dürfen weinen, wir dürfen versagen, wir dürfen...
Ich glaube, dass die Männer einfach aufgerufen sind, sich die gleiche Rechte(in diesem Sinne) sich zu schaffen.

Und wieder zum Thema Angst zurück zu kommen, mir hilft schon, mir klar zu machen, dass eine Angs da ist. Sie zu erkennen und vorallem sie zu akzeptieren.
Mir fällt gerade auch ein, das auch das Wort weiblich ist, und zwar in beiden Spachen, die ich kann. Es ist schon irgendwie hintehältig - so wie die Angst nur weiblich wäre.

Oft hilft mir auch ganz konkret etwas zu unternehmen, also mir das ganz genau anzusehen und genau das zu machen wovor ich Angst habe.

Es gibt eine Technik, die Angst zu beseitigen, sie nennt sich Salamitechnik und funktioniert ungefähr so:
Angenommen jemanden hat Angst vor dem
Aufzugahren.
Es gibt mehre Phasen, die Angst zu bearbeiten.

RA
17.08.2004, 23:14
1. Phase.
Man nimmt sich jeden Tag eine Viertelstunde Zeit, setzt sich hin und stellt sich vor , wie andere(auch keinem Fall sich selbst( auf einen Lift zugeht.
Man siehr, wie dieser Lift gestaltet ist, man sieht auch die Anzeigetaffel des Liftes, wie jemand anderen auf diesen Lift zugeht, dabei beobachtet ´man sich selbst. Wie sieht es in seinem Inneren aus.
Wenn man aufgeregt ist bei Betrachten dieser Situation, dann ist es wichtig, diese Szene mindestens zwei bis drei Wochen lang immer wieder zu üben, bis die Aufregung weg ist.
2. Phase
Gleicher Vorgeng wie vorher. Man nimmt sich konsequent Zeit jeden Tag, und sieht sich innerlich jetzt auf dem Lift zugehen. Ebenfalls mindestens zwei Wochen.
Erst, wenn keine Herzklopfen zu beobachten sind, dann kommt die nächste Phase.
3. Phase
Wenn es immer möglich ist, soll man ein Haus betretten, in dem es einen Lift gibt, und geht auf diesem Lift zu, ohne einzusteigen!!
Man hält sich in der Nähe und beobachtet, was alles passiert.
4.Pahse.
Man siehr sich geistig den Lift betretten. Das mag am Anfang nur ein Schritt hinein sien und dann wieder heraus. Sehr vorsichtig beginnen und immer sich dabei beobachten.
Man betritt den Lift so lange, bis dabei schon langweillig wird.
5.Phase
Man sucht jetzt wieder ein Ort aus, in dem es einen Lift befindet. Man geht dann ein Schritt hinein, oder nur einen halben Schritt, und dann wieder zurück.
Nur um festzustellen, welches innere Gefühl man dabei hat.
Aus das längere Zeit wiederholen, bis keine Herzkloßfen dabei sind.
6Phase
Man stellt sich jetzt vor, man steigt in dem Lift, drückt auf dem Knopf und fährt.
Auch das mehrere Wochen lang, bis es fad wird
7. Phase
Anschliessen stellt man sich nin den Lift - man hat das nunmehr bereits hunderte Male trainiert - drückt auf dem Knopf, fährt nach oben, und man sieht, es geht ohne Angst.

Diese Angst hat man ein für allemal überwunden!

Ich habe die Technik schon angewendet und mir hat es sehr geholfen.
Danke für die Erinnerung an die Technik, muss ich wieder anwenden.

Ich wünsche euch alles Liebe und Gute
Ra

mönch in der welt
18.08.2004, 09:18
griaß eich!
tja, angst. da fällt mir zuallererst meine, naja wie heißt der gscheide ausdruck dafür?, meine kranke tzeit ein. depressionen, angst und panikattacken.da hatte ich angst vor allem: vor mir, meinen mitmenschen, klar versagensangst, angst zu sprechen, angst vor jeder entscheidung, angst vor dem leben, vor meinem leben.jetzt wo ich wieder gesund bin, kann ich aus diesen erfahrungen schöpfen. weil ich weiß, dass angst ein schlechter berater ist und ich aus feigheit mich derangst zu stellen, 4 jahre meines lebens in den müll gschmissen hab, verloren hab, gehe ich entschlossen und sofort mit meinen neu auftauchenden ängsten um. ich bin absolut kein konsequenter mensch, zuwenig disziplin und kampfgeist, aber was ängste betrifft, da is mir der knopf aufgangen.sobald ich merk, dass ich vor was angst hab, schau ich mir das ganz genau an, bis ich rausgefunden hab, was es genau für eine angst is, und dann einmal tief durchatmen und mich der angst aussetzten, ich mach genau das wovor ich mich fürcht, und dann:stellt sich heraus dass man es wirklich schaffen kann.die angst ist ein dämon der besiegt werden muss. um so mehr ängste man überwindet um so näher kommt man dem licht.

angst essen seele auf.

also leut! raus mit der angst, damit sich wahrhaftiges leben einnisten kann.
euer mönch.

Steinwulk
18.08.2004, 13:30
Liebe Sylphe!

Zuerst darf ich Dich beruhigen: Angst ist keineswegs eine Frauenproblem!

Wenn die Theorie stimmt, dass es kein anderes Gefühl als das der Angst und der Liebe gibt (alle anderen setzen sich aus diesen zusammen, siehe den Thread „Gedanken“), und wenn diese Gefühle unsere Gedanken, unsere Worte und unser Handeln bestimmen, dann ist Angst wohl eher das Problem von Männern wie von Frauen. Man erkennt es einfach an den Auswirkungen. Vielleicht sind die männlichen Formen der Angst nicht so leicht als solche zu erkennen (Wut, Neid, Eifersucht, Hass, Rücksichtslosigkeit)

**spontan fällt mir ein Song meines Lieblingstexters dazu ein, (Wolfgang Niedecken (BAP), ahl Männer, aalglatt, nur nebenbei)**

Aber wir erheben für uns den Anspruch, Krieger des Lichts zu sein. Daher fragen wir uns in wie weit diese Ängste noch angemessen sind?

Fragen wir doch einmal andersrum: Wie müsste unsere Welt ausschauen, dass wir keine Angst mehr haben? Welches Ziel müssten wir erreichen? Welchen Status möchten wir haben? Wie viel Geld und Güter müssten wir besitzen?

Weißt Du, ich glaube, wir brauchen keine Garantien, wir brauchen Vertrauen. Vertrauen in die Schöpfung, Vertrauen in unsere Mitmenschen und Vertrauen nicht zuletzt in uns selbst.

Und wenn ich diesen Text hier schreibe, dann ist das in gewisser Weise eine Selbsttherapie – wie man ja leicht aus dem Thread „Gedanken“ herauslesen kann.
Auch ich frage mich ständig, wie ich den Gedankengebilden der Angst entrinnen kann! Angeblich ist das mit einer bewussten Entscheidung – quasi mit einem Fingerschnipps möglich.
Aber wir wissen nicht, ob das der Weg wäre, den unsere Seele gehen möchte. Vielleicht brauchen wir noch die eine oder andere Erfahrung – und da gehört vielleicht auch Angst dazu.
Was ich damit sagen will: Wir sollten uns keinen Stress mit unserer Angst machen. Es hilft uns nichts, die Angst zu verdrängen! Wir sollten einfach nur danach streben, aus Liebe zu handeln und unseren Ängsten durch unüberlegtes Handeln keinen zusätzlichen Schwung geben.

Einen Gedanken habe ich noch: Ähnlich wie bei der Selbsterkenntnis (geistige Übungen) sehe ich auch das Freisein von Ängsten als einen Prozess, der mit unserer Entwicklung anspruchsvoller wird. Man kann leicht frei sein von Ängsten, wenn man allein auf einem Berg als Einsiedler lebt. Aber wenn man für andere Verantwortung übernommen hat und ein paar hungrige Mäuler zu stopfen hat (oder es vorhat, diese Rolle zu übernehmen), sieht die Sache anders aus. Hier gewinnt das Wort Vertrauen eine ganz andere Dimension. Darum sollten wir uns darin üben.

Im desiderata steht so schön: Denn zweifellos entwickelt sich das Universum wie vorgesehen.

Darum atme tief durch und freue Dich der Dinge!

Ich freu mich mit Dir,

Steinwulk

Sylphe
19.08.2004, 19:17
Hallo ihr Lieben,
danke für eure Antworten, ich lese sie mir immer wieder durch und denke darüber nach !
Ich finde es einfach wunderbar dieses Forum.
Durch euch komm ich immer ein Stück weiter und werde zu Neuem inspiriert.

Ich werde mich zu meinem Thema nochmal äußern wenn ich mehr Zeit mitbringen kann,
danke an alle,
liebe Grüße,
eine lächelnde, müde ~Sylphe~

21.08.2004, 12:35
Ist das nicht komisch? Als ich meinen ersten Beitrag in dieses Thread setzte war Angst noch etwas für mich über das ich gut schreiben konnte weil Ich meine erfahrungen mit ängsten gemacht habe, aber zur zeit keine besonderen ängste hatte! Alles lief sehr gut ! Und jetzt...habe ich von einem tag auf dem anderen keinen Job mehr! Nun,sowas wirft mich normalerweise nicht so schnell aus der Bahn denn ich bin Maler von Beruf und da kann das schon öfter vorkommen,in meiner Region,wenn die Aufträge aus bleiben.
Doch bei der ganzen scheisse mit Harz IV die zur zeit abgeht gehen mir doch so einige Gedanken durch den kopf! ...wie solls nun weiter gehen...was wird aus meiner zukunft??? ZUKUNFT!!! Hab ich überhaupt noch eine? Haben WIR überhaupt noch eine? Wie seht Ihr das??? Denkt ihr eigentlich oft über eure Zukunft nach? Macht ihr das von eurer Arbeit abhängig,oder sind andere Dinge wichtiger! Wie stellt ihr euch euer Leben mit 65 vor? Denkt überhaupt so weit,oder glaubt ihr nie so alt zu werden?
LIFE FAST,DIE YOUNG ??? Oder AUF DIE STEINE;KÖNNEN SIE BAUEN ???
Fragen über Fragen
In Love,Santiago !!!
Ps.: Mir fällt grade auf,das ich jetzt noch besser über ängste schreiben kann !!

Sylphe
21.08.2004, 13:18
Grüßt euch !

Ich bin einfach zu zerissen im moment.
ich bin an einem Punkt wo ich irgendwie gar nichts mehr weiß, ich weiß nicht ob ihr das auch kennt.
Ich kann dich sehr gut verstehen Santiago!
Bei mir ist es ähnlich, ich weiß, dass ich ab nächstes Jahr für 7 Monate "arbeitssuchend" bin, danach mach ich eine Weiterbildung.
Es kam auch sehr plötzlich für mich, weil ich erst vor kurzem die Info bekam, dass sich der ausbildungsbeginn um ein halbes Jahr verschiebt und zur Zeit habe ich nur einen Vertretungsjob, der Ende des Jahres ausläuft.
Auch wenn ich es finanziell schaffen werde, mache ich mir trotzdem meine Gedanken.

Dann zu deiner anderen Frage nervt mich jetzt schon seit einigen Tagen ein"Freund" der Familie und gleichzeitig Vermögensberater mit seinen Angeboten: Rentenfond, Lebensversicherung, Bausparvertrag ....

Ich beschäftige mich mit tiefsinnigen Themen, habe viele Gedanken im kopf und unsere Nachbarn feiern Party bis tief in die Nacht mit Songs wie : Pizza Hut..( kannte das Lied noch nicht) und anderen Ballermannliedern .


Ich weiß nicht, ihr merkt schon, genauso wie ich schreibe, genauso ist mein Zustand.

Meine Ängste sind nicht mehr so groß, zum einen sicher auch durch euch, denn ich hab meinen Mut zusammengefasst und meinen Mund aufgemacht.
Ich habe gemerkt, es ist letztendlich für mich egal wie es bei den anderen ankam, mir ging es danach besser.

Zur Zeit bin ich eher auf der Flucht, Flucht vor mir selbst und überhaupt würde ich am liebsten vor allem weglaufen, aber das ist natürlich nicht der richtige Weg, also halt ich durch, versuche mich mir selbst zu nähern, auch wenn das im moment noch sehr schmerzhaft für mich ist.

Vielleicht hätt ich gar nicht schreiben sollen, ich bin einfach zur Zeit nicht "in der Reihe"
*lach*
im gleichschritt marsch -

ich hab euch lieb !
eine verwirrte ~Sylphe~

Sylphe
21.08.2004, 13:22
Du hast recht Steinwulk, was ich brauch, was wir alle brauchen, ist Vertrauen.
Vertrauen in uns, in die Welt, in unsere Mitmenschen,in unser Tun....


oft nicht sehr einfach...
Ich hab Vertrauen in euch ! :)

roy_leo
22.08.2004, 07:09
ein mir unbekannter autor:

In einem Dorf hatte es lange nicht geregnet. Alle Gebete und Prozessionen
hatten nichts genützt, der Himmel blieb verschlossen. In der größten Not wandte
sich das Dorf an den Großen Regenmacher. Er kam und bat um eine Hütte am
Dorfrand und um Brot und Wasser für fünf Tage. Dann schickte er die Leute zu
ihrer täglichen Arbeit. Am vierten Tage regnete es. Die Menschen kamen jubelnd
von ihren Feldern und Arbeitsplätzen und zogen vor die Hütte des Regenmachers,
um ihn zu feiern und nach dem Geheimnis des Regenmachens zu fragen. Er
antwortete ihnen: »Ich kann keinen Regen machen.« — »Aber es regnet doch«,
sagten die Leute.

Der Regenmacher erklärte ihnen:
»Als ich in euer Dorf kam, sah ich die äußere und innere Unordnung. Ich ging in
die Hütte und brachte mich selber in Ordnung. Als ich in Ordnung war, kamt
auch ihr in Ordnung, und als ihr in Ordnung wart, kam auch die Natur in Ordnung,
und als die Natur in Ordnung war, hat es geregnet.«

Steinwulk
22.08.2004, 10:50
Liebe Sylphe, lieber Santiago!

Eure Sorgen sind aufgrund der Umstände im Moment sicherlich sehr akut. Es ist schwer, hier einen Rat zu geben und darum lass ich es auch bleiben. Aber ich möchte Euch sagen, dass ich mit Euch fühle. Vielleicht hilft es Euch, wenn ich einmal meine Sichtweise zu diesem Thema schildere. Es ist eher allgemein gehalten und geht nicht in Details. Aber ich bin ja auch kein Wirtschaftswissenschaftler – ich denk halt nur nach und versuche, hin und wieder ein klein wenig über den Tellerrand hinaus zu blicken.



Auch meine Ängste sind – wie ich zugeben muss – zum größten Teil materieller Natur. Schließlich haben uns (ich rede von unserer Generation als Kollektiv) Großeltern und Eltern tagein und tagaus damit in den Ohren gelegen, dass wir es einmal besser haben sollen. Haben sie damit wirklich nur die materielle Ebene gemeint? Vermutlich schon. Wir haben es zumindest so verstanden.



Und wir schufen uns unseren Lebensstandard, der höher ist, als alles bisher da gewesene. Und anstatt diesen Standard zu genießen und zu feiern, haben wir Angst um ihn. Wir könnten diesen Standard ja wieder verlieren. Darum wurden wir immer produktiver, mit dem Ergebnis, dass die Zahl derer, die produktiv sind, immer kleiner geworden ist.

Was geschieht mit den anderen? Bis vor dreißig Jahren gab es Leute, deren Erfüllung ein Beruf mit einfachster Tätigkeit war, z.B. Straßenkehren oder simple handwerkliche Tätigkeiten. Die Leute hatten ihr Auskommen, und waren zufrieden. Und ganz nebenbei – wenn ich in dem Thread „geistige Übungen“ die Übungen lese, dann hatten diese Leute uns vielleicht sogar etwas voraus. Aber wie dem auch sei, diese Berufe gibt es nicht mehr. Wegrationalisiert. Die einen haben eine anspruchsvollere Tätigkeit annehmen müssen (einige vielleicht auch dürfen), andere machen die gleiche Tätigkeit unter extremen Zeitdruck, wieder andere fallen in die Arbeitslosigkeit.

Die Produktivitätsschraube wurde immer fester angezogen, bis sie nun endlich zu reißen droht. Die soziale Verantwortung bleibt auf den Schultern der wenigen Produktiven. Diese wollen und können sie nicht länger tragen, da auch sie vollständig überlastet sind. Darüber hinaus gibt es die Kontraproduktiven, die – um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen - das Gemeinwohl mit Füßen treten. Vorstandsvorsitzende, formularbesessene Beamte, Lobbyisten usw.

Die Situation ist mittlerweile so verfahren, dass ein durchschnittlicher Arbeitnehmer einen halben Tag arbeiten muss, um sich einen Bauhilfsarbeiter eine Stunde leisten zu können. Hier sind Konflikte nicht mehr abzuwenden.

Alle sorgen sich um ihre Zukunft – so auch ich, das muss ich zugeben. Alle haben wir Angst vor Veränderungen.
Aber das einzige, was sich im Laufe der Geschichte nie geändert hat, war die Tatsache, dass sich die Dinge ändern. Und das System, in dem wir leben, wird sich ändern müssen – nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht.

Was ich mit all dem sagen will?

- Diese Situation war und ist unsere eigene Wahl. Diese Erfahrung wollten wir zu unserem höchsten Wohl (- so glaube ich-) machen. Niemand, außer uns allen, ist daran schuld oder nicht schuld. Darum sollten wir keine Zeit mit Schuldzuweisungen verschwenden.
- Es darf auch mal wieder langsamer gehen! Deshalb fällt uns nicht gleich der Himmel auf den Kopf.
- Wir müssen – und das ist unsere größte Herausforderung – der Schöpfung oder Gott dankbar sein und vertrauen, denn dann…
- …können wir es miteinander schaffen, vielleicht ist das unsere nächste große kollektive Erfahrung. Die nächste Veränderung als unsere große Chance zu betrachten.


Versicherungen und Garantien sind ein Geschäft mit unserer Angst. Wir sollten sie wirklich eingehend auf ihren Sinn überprüfen, und uns durch sie nicht vom Leben abhalten lassen. (Neulich habe ich sogar gelesen, dass man seine Autoreifen versichern kann!!)


Ach ja, zu Sylphes Nachbarn: Die müssen auch mal schlafen. Wahrscheinlich bis 11 Uhr morgens. Der Tobi soll Dir doch mal ein 38 cm Tieftöner (weich aufgehängt, gibt’s für 20 € beim Conrad) an die Wand schrauben, in einer Endlosschleife den Mittelteil von Radio-Gaga (Queen) auf CD brennen, und dann mit Hilfe einer Stereo-Anlage die gemeinsame Trennwand um 6.30 Uhr in diesem Rhythmus zum Erzittern bringen. Diese Erfahrung wird Eure Nachbarn mit Sicherheit bereichern. Um diese Zeit feiert Ihr halt gerne, na und?



Lieber roy_leo,

dieser Text hilft uns, zu vertrauen. Du hättest keinen besseren aussuchen können!


Allen einen schönen Sonntag wünscht von Herzen



Ein Steinwulk

sayana
04.10.2004, 13:50
liebe Sylphe,
hallo erstmal, denn dies ist mein erster Eintrag hier in eurem wundervollen Forum...
Ich mache mir mal wieder bewusst, dass Angst ein generelles Problem unserer Zeit ist, von dem, sicherlich ein Grossteil aller Menschen in irgendeiner Art betroffen sind. Wohl liegt es an der Weise, in der wir unser Leben verbringen müssen, in einer dem Fortschritt unterworfenen Gesellschaft, wo immer weniger Zeit übrig bleibt für die Seele und ihre Begehren ist es schwer den eigenen inneren Mittelpunkt zu finden und zu pflegen... Menschen, die intensiv über die Probleme der Welt nachdenken, sind in gewisser Weise wohl besonders von Ängsten bertoffen, da sie den Kopf meist voll haben mit weltbewegenden Themen, nach Verbesserungvorschlägen suchen, sich damit meist allein fühlen und dann auch noch ihr eigenes Chaos im Zaum halten müssen...
Es gibt meiner Meinung sehr wenige Menschen, die nicht von Ängsten geplagt werden. Vielleicht sind diese die Menschen, die es geschafft haben, ihre Träume wirklich zum Leben zu erwecken, diese, die gelernt haben, dass wenig am allermeisten ist oder auch diese, bei denen alle Gefühle gestorben sind und dafür die Kasse stimmt... Ich weiss es nicht. Aber ich glaube, in einer Welt, in der Menschen mit Gefühlskälte und, wie oben so schön formuliert, Gleichschritt mehr Überlebenschancen haben als diejenigen, die "Mensch" bleiben wollen, werden Ängste wohl zu einem bleibenden und sich immer weiter ausbreitenden Faktor in den "unteren" Gesellschaftsschichten.
Ich selbst wurde viele Jahre in meinen noch nicht so langem Leben von Ängsten heimgesucht... Ich habe sozusagen in kurzer Zeit alles verloren was ich hatte, selbst fast mein Leben und daraus hat sich ein Trauma gebildet, was mir schwer zusetzte; ich konnte nicht mehr am öffendlichen Leben teilnehmen, hatte schlimme Angstzustände bis hin zu Paranioa und mein Bild, dass ich von mir hatte, glich einem Wesen, dass ich nicht zu kennen vermochte..... Der Gang zu Psychotherapeuten( ich muss dazu sagen, ich habe kein wirkliches Glück gehabt, mir zu helfen-fähige Personen zu finden..) brachte immer neue Diagnosen mit sich.. nach innen gerichtete Aggressivität, Borderlinerin ohne Hang zur äusseren Selbstverletzung, Agoraphobie, Sozialphobie..
Ich denke schon, dass ich an einer schlimmen Sozialphobie litt, die durch Versagensängste ausgelöst wurde, doch habe ich die empfohlenen stationären Therapien nie in Anspruch genommen und mich auf die Reise gemacht, mir selbst zu helfen.. Wohl mit Erfolg :)
Das ist wohl nicht bei jedem zu empfehlen, man sollte sich vorher sehr gut überlegen, ob man bereit und in der Lage ist, sich so weit auf sich einzulassen.
Bei sehr schweren Fällen von Angstzuständen kommt man sicher nicht ohne die Hilfe eines fähigen und zu einem passenden! Arzt weiter...
Soweit zu meinen Gedanken...
Viele liebe Grüsse
sayana

Eine gute Freundin hat einmal zu mir gesagt:
"Traue dich hinüber zu den Truhen in denen du deine Änste verborgen hälts.
Wenn du kannst, dann öffne sie, denn meist sind die Angstwesen, die sich darin verkriechen, so erschrocken darüber, dass du es tatsächlich gewagt hast, den Deckel zu öffnen, dass sie klitzeklein werden und sich, ihrer eigenen Angst verfallen, im Sonnenlicht in Staub auflösen.."

Lichtsucher
04.10.2004, 14:44
Liebe Sylphe,

auch ich kenne das Gefühl auf der Flucht vor mir selbst zu sein.
Meine Angst zu versagen ist dann so gross, dass ich mich am liebsten irgendwo verkriechen möchte und ich einfach nichts mehr denken und fühlen will. Ich möchte dann einfach, dass das Gefühl der unglaublichen Angst aufhört.

In solchen Momenten versuche ich mir klar zu machen, dass eine Flucht mir nichts bringt :
Ich laufe weg ... und die Angst holt mich doch ein, vielleicht nicht sofort, aber dafür irgendwann ganz bestimmt !

Also setze ich mich ihr lieber sofort aus und stelle mich ihr. Ich habe dann bisher die Erfahrung gemacht, dass die Sache oder die Situation vor der ich Angst hatte, es gar nicht Wert war vor ihr davon zu laufen.
Wie die Freundin von Sayana sagte : "Traue dich hinüber zu den Truhen in denen du deine Änste verborgen hälts.
Wenn du kannst, dann öffne sie, denn meist sind die Angstwesen, die sich darin verkriechen, so erschrocken darüber, dass du es tatsächlich gewagt hast, den Deckel zu öffnen, dass sie klitzeklein werden und sich, ihrer eigenen Angst verfallen, im Sonnenlicht in Staub auflösen.."

Diese Erfahrung habe ich auch gemacht ...

... und trotzdem gibt es Momente wo ich mich umdrehe und erst einmal vor meiner Angst davonlaufe ! In dem Moment aber, in dem ich stehenbleibe, kurz Luft hole und dies erkenne, gebe ich mir einen Ruck und ändere die Richtung !

Vertrauen ist eine sehr wichtige Sache bei der Auseinandersetzung mit der Angst. Ich merke immer mehr wie wichtig Vertrauen ist. Ich habe bisher versucht meine Ängste alleine zu bekämpfen (sicherlich eine Situation, die viele Männer so ähnlich erleben) und habe selbst mit meiner Freundin nicht darüber gesprochen. Sie hat natürlich gemerkt, dass etwas nicht stimmt und hat nachgefragt was denn los sei. "Ach nichts" kam dann von mir und dann habe ich mich wieder zurückgezogen.
Seit einiger Zeit teile ich aber meine Ängste mit ihr ... und diese Ängste sind dann tatsächlich geteilt ! Sie verringern sich bei mir schon dadurch, dass ich mit ihr darüber rede !
Durch diese Erfahrung wächste dann wieder mein Vertrauen und die Ängste schwinden immer mehr !



Viele liebe Grüsse,
Lichtsucher