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Steinwulk
23.07.2005, 12:41
Hi Kiegers,


Wie aus dem Baumpflanz – Thread hervorgegangen ist, sind sich alle ziemlich
einig, dass das derzeitige Vorgehen der Menschheit in nicht allzu ferner
Zukunft den Lebensraum Erde in der uns bekannten Form an die Grenzen ihrer
Belastbarkeit bringen wird. Weiterhin entnehme ich Euren Meinungen, dass die
Menschen so ohne weiteres ihr Verhalten nicht ändern werden.

Im Klartext: Wir vernichten uns selber.


Wisst Ihr, wenn ich so von oben auf uns runterschauen könnte – und selber
nicht von hier unten wäre – würde ich uns für einen ziemlich bescheuerten
Haufen halten. Von oben betrachtet wäre die ganze von uns geschaffene
Kompliziertheit keine Entschuldigung mehr für unser gemeinsames oder
einzelnes Vorgehen. Versteht mich bitte nicht falsch, über mich selber würde
ich auch den Kopf schütteln. Und wie könnte man dieser wunderbaren Natur
am besten helfen, wenn man da oben sitzt?

Mir wird gerade klar, dass der Mensch mit seinem derzeitigen Verhalten für die
Erde das ist, was der Ebola-Virus für den Menschen ist: Tödlich.

Sollte der Begriff „höhere Lebensform“ lediglich darauf hinweisen, dass wir mit
Messer und Gabel essen?

Kann es denn sein, dass jeder Ameisenhaufen eine höhere kollektive
Intelligenz aufweist, als die gesamte Menschheit?

Harte Fragen, ich weiß. Doch stellt Euch einmal das Potential vor, das in uns
steckt, wenn wir miteinander und füreinander handeln! Ich bin der festen
Überzeugung, dass dieses Potential so riesig wäre wie das gesamte
Universum.


Aber warum glauben wir, unser Verhalten nicht ändern zu können? Was bringt
uns dazu, ein stressiges, zerstrittenes, ängstliches und voneinander
getrenntes Leben in sinnlosem Luxus (noch dazu auf Kosten anderer) einem
friedlichen, gemeinsamen Leben in Liebe und Bescheidenheit und trotzdem
ohne jeglichen Mangel vorzuziehen?

Weil wir glauben, das sei nicht möglich?

Weil wir Angst vor dem Verlieren haben?

Weil wir nicht damit anfangen, damit uns niemand auslachen kann, wenn es
nicht so klappt?

Weil wir unser Bewusstsein nicht verändern, damit niemand sagen kann: Was
tust Du denn schon groß?

Weil wir auf die anderen zeigen und sagen, die machen sowieso nicht mit?


Und wenn es keinen Grund mehr gibt zu glauben, dass wir uns nicht ändern
können, wie fangen wir an? Was ist der erste Schritt?

Ich würde mich freuen, wenn Ihr mitmacht.

Vielleicht ist ja dies hier schon ein kleiner Schritt.


Ein Wulk.

Shay
23.07.2005, 13:49
Mein lieber *Wulk,

ich glaube, Du hast die Sache echt schon gut erfasst.
Wir Menschen neigen immer noch dazu, uns viel zu sehr an dem zu orientieren, was "die anderen" über uns denken/sagen könnten. Wir leben ständig mit Konjunktiven, weil wir in Wirklichkeit nichts wissen. Und der Handel mit Konjunktiven birgt immer Betrug. Wir wissen eben nicht, was "die anderen" denken oder fühlen oder sagen werden.

Wenn irgendein extraterrestrischer Reisender ankäme und diese Welt hier betrachten würde, würde er sich über diesen Haufen an Egoisten, Ignoranten und Grenzdebilen vermutlich totlachen. Und dann würde er seinem Stern funken: "Okay, es gibt Leben auf dem Blauen Planeten, aber von Intelligenz keine Spur. Wir haben also eine neue Rohstofftankstelle gefunden."

Was also können wir tun?

1. Die Beharrlichkeit ist günstig. Alter römischer Spruch. Einfach genial. Denn wir müssen Beharrlichkeit an den Tag legen, weiter den Guten Kampf führen und uns weiter scheel ansehen lassen. Immer daran denken, dass viele Menschen etwas länger brauchen, um uns und unsere Ziele zu verstehen.

2. Vorleben, was es heißt, ein Krieger zu sein: Intelligent handeln, konsequent sein, mutig, liebevoll, offen und ehrlich. Christlich, wenn Ihr so wollt. Für alle Nichtchristen unter uns: in jeder Religion oder Glaubensgemeinschaft gibt es ein entsprechendes Synonym, das letzten Endes die Nächstenliebe meint.

3. Geduldig sein, abwarten, im richtigen Augenblick handeln. Niemanden vor den Kopf stoßen.

4. Lächeln. Ich habe vor kurzem am eigenen Leib erlebt, dass Lächeln eine wunderbare Waffe ist. Sie wirkt schneller als Gift, trifft genauer als ein Pfeil und ist wirkungsvoller als ein Schwerthieb. Mit einem unerwarteten Lächeln erreicht Ihr unglaublich viel, Ihr werdet Euch wundern. Zack - Lächeln!


Doch, lieber Steinwulk, wir werden noch eine ganze Menge ändern. Vieles braucht Zeit. Schau Dir an, wie lange es den Menschen als soziales Wesen auf dieser Welt gibt! Und jetzt betrachte, wie lang es Christentum, Islam und Buddhismus gibt. Christus brauchte knapp 1600 Jahre, bis er auch die einfachere Bevölkerung mittels der Bibel erreichen konnte - wir brauchen nicht zu glauben, dass wir diese Erde in zwanzig Jahren auf Kurs bringen können. Wir werden eine Menge Schäden zulassen müssen. Es wird noch einige Nöte geben müssen, bevor sich ein neuer Kurs durchsetzen wird. Es wird einige Generationen brauchen.

Du siehst ja, wie schwer es ist, das alte preußische Denken aus den deutschen Köpfen herauszubekommen. Oder wie lange das alte dumme Ossi-Wessi-Denken noch wirkt. Und das ist nur Deutschland, ein Fliegenschiss auf dem Globus. Wie schnell gedenkst Du da die Welt zu retten?

*lg* Shay

Steinwulk
23.07.2005, 14:01
Shay postete
Okay, es gibt Leben auf dem Blauen Planeten, aber von Intelligenz keine Spur. Höchstens die Ameisen! :D

Pilger
24.07.2005, 19:04
Jeder aollte tatsächlich bei sich anfangen und anderen allein darurch ein Beispiel geben das es auch anders geht. Weniger Egoismus, mehr Gemeinsinn, weniger Rücksichtslosigkeit, mehr Entgegenkommen, weniger Agression, mehr Verständnis, Solidarität, ein anderes Stichwort... Kollektiv geht da - erstmal - nichts. Oft versucht. Tatsache ist, daß der Mensch zuerst mal ein Individuum ist. Und das ist erstmal egoistisch. Wer im Kleinen anfängt, kann andere überzeugen. Wie war das mit dem Schneeballprinzip?
Das erbärmliche ist m.E. daß der Mensch sich (grundsätzlich) gegen sich wehren kann. Andere Kreaturen und die Natur können das nicht. Allerdings was auch passiert, die Natur wird uns alle, den Menschen überleben, egal was der Mencsh ihr antut. Allerdings sollte es möglich sein auch ein Miteinander zu finden, das Potential ist da. Leider sieht man oft, daß bestimmte Organisationen die sich gerade dieses Problems annehmen untereinander verstritten sind und gegeneinander arbeiten. Eigenes Prestige ist halt wichtiger und letztendlich gehts da auch oft nur um Geld für die eigenen nächsten medienwirksamen Projekte. Im Stillen geht allerdings oft mehr.
Ich bin gewillt bei mir anzufangen. Ich habe das auch bereits getan. Allerdings bin auch ich noch weit vom Ziel entfernt. Aber ich bin bereit zu lernen und mich zu verändern.

Also ich bin gewillt - aber Zeit wirds brauchen.
Grüße
vom
Pilger

Shay
24.07.2005, 20:20
Lieber Pilger,

ich denke, wir alle, die sich hier im Forum herumtreiben, sind von dem Gedanken beseelt, dass es auch noch eine andere Lebensweise geben muss, außer der materialistisch-egoistischen, die wir tagtäglich von den Medien- und Werbetreibenden (ich gehöre ja selbst dazu) eingetrichtert bekommen. Es ist an uns, uns gegen dieses System de Selbstverkaufs zu wehren - und sei es in Form einer kleinen Anarchie, in dem wir uns eben nicht mehr (für dumm) verkaufen lassen.

In sofern, lieber Pilger: Mutiger Schritt, guter Anfang!

Gruß: Martin

Steinwulk
25.07.2005, 19:30
Lieber Martin, lieber Pilger und Ihr anderen Krieger

Eure Antworten machen mir Mut. Denn vielleicht denken außer uns
schon die Allermeisten so wie wir. "Wovon das Herz voll ist, geht der Mund
über." Mit anderen Worten: Es dauert nicht mehr lange, bis alle davon reden.
Und dann ist es nicht mehr lang, bis alle danach handeln.

Aber wovon soll das Herz voll sein?

Was ist der einfachste Nenner, die Idee "hinter der Idee?"

Was kann den Knoten lösen, so dass wir nicht beharrlich, geduldig und bereit
zu lernen sein müssen, es vorzuleben und dabei lächeln müssen um etwas zu
bewegen, sondern dass wir genau das schon sind?

Dass wir gar nicht anders "können" als so zu handeln, weil es der
bestmögliche Ausdruck für das ist, was wir sind und was wir im Moment
erfahren?




Im übertragenen Sinne:

Auf die Frage, was wir tun müssen, damit uns unser Essen (Fisch mit Pudding)
schmeckt, sagt Ihr: Lassen wir es uns auf der Zunge zergehen. Zeigen wir
den anderen bei jeder Gelegenheit, wie sehr es uns schmeckt. Das müssen wir
tun um unser Essen genießen zu können.

Denn: Alle, denen das Essen wirklich schmeckt, tun das in einem fort.

Das ist als Aussage richtig. Wahr ist auch, dass einem das Essen sehr viel
besser schmecken kann, wenn man es in dem richtigen Bewusstsein oder der
richtigen Gesellschaft oder der richtigen Stimmung zu sich nimmt. Selbst wenn
man seinen Fisch in Pudding rührt, ist das Bewusstsein bis zu einem gewissen
Grad ausschlaggebend für die empfundene Qualität des Essens, okay. Aber
eben nur bis zu einem gewissen Grad.

Damit uns das Essen wirklich schmeckt, müssen wir aufhören, den Fisch in
den Pudding zu rühren! Gedünstet, mit einem feinen Dillsößchen, junge
Salzkartoffeln, und dazu ein halbtrockener Weißwein, Euch allen tief in die
Augen geschaut wenn wir die Gläser heben – was glaubt ihr, wie wir uns das
auf der Zunge zergehen lassen. Danach meinetwegen einen Pudding, gestürzt
aus kleinen Förmchen, verfeinert mit Damaris´ roter Grütze mit Schuss. Ich
könnte gar nicht anders, als über alle vier Backen zu strahlen!

Also noch mal: Alleine durch das Loben des Essens wird das Essen nicht
besser! Und wenn wir für uns erkennen, dass Fisch mit Pudding nicht unser
Ding ist, dann wäre das Loben dieses Mahls, ein Leugnen des Zustandes. Wir
essen in hundert Jahren noch Fisch mit Pudding, wenn jeder dasitzt und von
wegen: Heut ist der Fisch wieder gut in dem Pudding zur Geltung gekommen,
mmh lecker, und diese Ahnung von Vanille. Es gibt bestimmt Leute, denen es
wirklich schmeckt, okay. Aber ich – und wahrscheinlich auch viele andere –
wissen zur Genüge um diese Kreation. Und es ist Zeit für etwas anderes.



Was ist also die Idee „hinter der Idee“, das, wonach wir wirklich streben
sollten, damit wir von Herzen lächeln – damit wir es vorleben, ohne uns zu
verstellen?


Bitte verzeiht, wenn ich einfach so von mir auf Euch schließe: Ich handel sehr
oft nicht aus einer tiefen Zufriedenheit heraus. Und es würde (siehe oben)
nichts bringen, wenn ich Euch etwas anderes erzählen würde.



Liebe Grüße


Steinwulk

WohlfühlManager
26.07.2005, 14:46
Steinwulk postete
Aber wovon soll das Herz voll sein?
Was ist der einfachste Nenner, die Idee "hinter der Idee?"

Was kann den Knoten lösen, so dass wir nicht beharrlich, geduldig und bereit
zu lernen sein müssen, es vorzuleben und dabei lächeln müssen um etwas zu
bewegen, sondern dass wir genau das schon sind?

Dass wir gar nicht anders "können" als so zu handeln, weil es der
bestmögliche Ausdruck für das ist, was wir sind und was wir im Moment
erfahren?
also, ich sehe das so:

das, was der welt, dem miteinander der menschen fehlt, das ist verbundenheit.
verbundensein mit sich selbst und daraus folgend dann auch mit allem drumherum.
...oder nennt es agape...
wenn ich dann mit mir verbunden = bei mir bin, dann verurteile ich nicht mehr, dann bin ich zwar im hier&jetzt handel aber trotzdem nicht kurzfristig oder egoistisch, dann bringe ich allem und jedem achtung entgegen.

ok, bleiben natürlich noch die fragen, wie man 1. selber dahin kommt und 2. alle dazu bringt dahin zu kommen.
dazu später mehr...

Shay
26.07.2005, 17:03
Lieber Wulk,

Dein Vergleich mit dieser überaus köstlichen Komposition aus Fisch und Puding hinkt m.E. ein wenig (b.t.w.: bist Du gebürtiger Engländer oder so' Exot? *gg*).
Denn was bei diesem Vergleich fehlt, das ist die allgemeingültige Qualität.

Ich gehe mal schwer davon aus, dass sich so ziemlich jeder Mensch auf dieser Welt wünscht, gerecht behandelt zu werden, geliebt zu werden, regelmäßig essen zu können, seine Meinung frei äußern zu können usw. Das sind ja letztlich Grundprinzipien, die wir vertreten, für die wir mit Leben und Liebe einstehen und die wir (Krieger, sic!) verteidigen - nötigenfalls mit Schwert in der Hand.

Bei Fisch mit Pudding habe ich da so meine Zweifel. Dieses Gericht wäre für mich im übertragenen Sinne der Versuch, die Monopolyspielregeln als Grundgesetz zu verankern. Also einfach sinnlos, weil sich wahrscheinlich nur ein kleiner Bruchteil der Weltbevölkerung damit identifizieren könnte. Und selbst, wenn die Monopolyregeln in unseren Augen die perfekte Methode wären, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen, würden wir - trotz aller Überzeugungsversuche - damit schon im Ansatz scheitern.

Was ich damit sagen will ist folgendes:

Es geht hier nicht darum, eine NewWorldOrder aufzustellen. Es geht darum, mit allen Kräften die wir besitzen die höchsten Güter aufrecht zu erhalten und zu verteidigen: Die Liebe (in allen Formen), die Ehrlichkeit, den Mut, die Konsequentheit, Toleranz, Freiheit ... etcetera pp. Unser Kernproblem besteht ja darin, dass mindestens seit Christi Zeiten genau diese Werte ignoriert, ja mit Füßen getreten werden. Und jeder bewusste wie unbewusste Krieger stört sich daran und kämpft offen oder verborgen - im kleinen oder im großen Rahmen.

Wohlfühlmanager hat da ein ganz wichtiges Instrument aufgezeigt: die Verbundenheit. Jeder einzelne Krieger (und jeder einzelne Mensch im Allgemeinen) wird stärker, wenn er Verbundenheit erfährt. Jeder einzelne Wunsch wird eher Wirklichkeit, wenn man ihn gemeinsam mit anderen hegt. In der Tat - woran es heute fehlt, ist die Verbundenheit. Und nicht Fisch mit Pudding...

Ich grüße Euch von ferne und hoffe auf ein baldiges Treffen zum Kennenlernen und Mundfusseligdiskutieren!

Euer Martin

Steinwulk
26.07.2005, 21:58
Hallo, Ihr Lieben.

eine Menge Stoff zum lesen...

ohne Dich übergehen zu wollen, liebe Damaris, möchte ich doch erst auf
Martins Worte eingehen:


"Fisch mit Pudding" soll stellvertretend für alles gelten, "was uns nicht
schmeckt". All diese ungeliebten Umstände, Ungerechtigkeiten, Dummheiten
und so weiter. Sie alle aufzuzählen, wäre müßig. Keine Diskussion über
irgendein Detail, sondern von ganz oben betrachtet. Einfach die
Unvollkommenheit des Systems in der der eine mehr Leid erfährt, der andere
weniger, die allermeisten jedoch erahnen, dass das nicht alles sein kann. Und
wie wir diesen Umständen begegnen. Sehr viel mehr gibt dieses Bild nicht her,
da muß ich dir beipflichten, Martin.

Keine Spielregeln, Grundgesetze, NewWorldOrders. Nichts läg mir ferner. Jedes
neue Gesetz ist eins zuviel, denn es will verhindern, dass wir etwas nicht tun.
Es würde den Knoten noch fester ziehen, anstatt ihn zu lösen.


Was wir brauchen, ist etwas, dass uns wieder tun läßt.

Wie Damaris geschrieben hat: Das Gefühl der Verbundenheit. Das wir alle eins
sind.

Mit den Menschen - mit der Natur - mit allem, was ist.

Demnach wären wir ein Teil von allem was ist. Ein Teil Gottes, der ja alles ist,
was ist. Demnach wären wir Schöpfer. Ein Schöpfer reagiert nicht auf die
Umstände, er erschafft sie sich. Wenn wir uns als das erkennen, was wir sind:
Ein Teil von allem was ist.


Wenn wir das begreifen, wirklich begreifen, ist nichts mehr dringlicher als
Fisch mit Pudding - wenn ich noch einmal auf dieses Beipiel zurückkommen
darf. Wir lösen jedes Problem genauso, wie wir dieses lösen würden: Wir
treffen eine neue Wahl.

Und lächeln
und leben es vor
wir verstellen uns nicht mehr
und können ganz leicht geduldig sein.

agape eben, ob geraucht oder im Keks spielt keine Rolle!! :D



Grüße Tom

Ach ja, Breuberg, wir sind dabei!! Und freuen uns schon!