Liebe Mitkrieger(-innen), bin auch mal wieder da.
Ich zitiere kurz den lieben Tobi:
"Im ZEN heißt es, dass jeder Mensch sich sein Leben vorher ausgesucht hat. Mit allen Problemen, seine Eltern, sein Land - alles. Und man schlüpft in dieses Leben mit den ausgesuchten Problemen, weil das seine eigenen Schwachpunkte sind und man durch die Lösung dieser Probleme geistiges Wachstum erlangt und "weiter" kommt."
Gut. Gesetzt der Fall, es sei dem so:
Ich bin mit meinem kleinen Leben nicht wirklich zufrieden. Es ist in den letzten Jahren etliches schief gelaufen. Wenn ich mir das irgendwann mal ausgesucht haben sollte, muss ich wohl irgendwie nicht ganz bei der Sache gewesen sein. Wo ich mir ganz sicher bin, ist, dass ich in diesem Leben etwas lernen sollte. Nur was? Nein, ich bin sehr sicher, dass ich nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen habe. Ich muss / werde ganz gewiss etwas dazulernen.
Ich habe heute meinen Medizinmann konsultiert. Habe ihm geschildert, dass ich gerade dabei bin, meine Ehe kleinzukriegen. Dass ich langsam den Verdacht habe, an dem ewigen Ärger, den ich früher in der Schule und später dann auch im Beruf hatte, zu einem guten Teil selber Schuld zu sein. Dass ich ständig irgendwo rausfliege und nicht verstehe, warum. Dass ich jedem noch so kleinen Problem mit immer mehr Aggressivität begegne, anstatt es tatsächlich zu lösen zu versuchen. Und so weiter.
Ich stelle fest, dass mir mein Leben, so wie es verläuft, nicht gefällt, es macht, einfach ausgedrückt, keinen Spaß mehr, die Tage reihen sich aneinander, einer ist so dämlich wie der andere. Das Eheleben, das ich eigentlich sehr genossen habe, ist eintönig geworden, ein Liebesleben findet kaum mehr statt, ich habe nicht einmal mehr Lust, mich von meiner Frau, die ich eigentlich über alles liebe, ansprechen zu lassen. Jeder Wink, jede Bitte von ihr ist mir schon zu viel. Hinter allem sehe ich eine versteckte Kritik, einen Hinweis darauf, sowieso zu nichts zu taugen. Nein, ich sehe mich selbst nicht so, ich sehe mich als durchaus belastbar, liebevoll, fürsorglich, kreativ und was sonst noch an. ABER: dieses Gefühl rutscht Tag für Tag in den Hintergrund.
Ich habe meinem Medizinmann lange nicht alles sagen können, was ich eigentlich wollte, 90% dessen fielen mir erst hinterher wieder ein.
Er gab mir eine Überweisung zum psychologen. Er meint, es sei eine Anpassungsstörung. Kann sein, aber ich glaube, ich muss mich nicht überall anpassen. Das Problem ist nur, dass Obrigkeiten und ähnliche Instanzen (Lehrer, Arbeitgeber) das nicht so sehen. Hier kommt man um so besser durch, je geschmeidiger man ist. Ich bin nicht geschmeidig, ich passe nicht in die Rektalöffnungen irgendwelcher "Herren". Ich leide nur darunter.
Die empfohlene Psychologin ist bis nächste Woche im urlaub, danach brennt bei der guten Frau wahrscheinlich der baum. der andere mögliche Psychologe ist der Therapeut meiner Frau. Ich zweifle daran, dass ich da so gut aufgehoben bin.
Ist ein seltsames Leben.
Manchmal will ich gar nicht kämpfen. Der Krieger will sich dann einfach nur ins Gras legen und den Wolken zuschauen...
Ich grüße Euch, Euer
Shay
Einen lieben Gruß an alle:
Martin
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„Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir aber noch nicht ganz sicher.“